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Martin Buber, der Prager Kreis und die Folgen des Ersten Weltkriegs

Vortrag von Professor Dr. Christian Wiese

17. Januar 2019


Erlöserkirche - 19.30 Uhr
Homburg


Zu Beginn des Ersten Weltkrieges und angesichts der geschichtlichen Umwälzungen der Zeit hoffte der Philosoph Martin Buber wie viele andere auf eine verstärkte Integration der jüdischen Minderheit. Zugleich sah er die Chance auf ein wachsendes jüdisch-nationales „Gemeinschaftsgefühl“. Seit 1916 veränderte Buber seine Haltung und dachte verstärkt über den ethischen Beitrag des Judentums zur Überwindung der Ursachen zerstörender Nationalismen und des Krieges nach. Der Vortrag skizziert zunächst Bubers sich wandelnde Haltung zum Krieg und widmet sich dann vor allem der Kriegserfahrung dreier aus dem Prager Judentum stammender zionistischer Intellektueller. Diese fühlten sich Buber seit seinen berühmten „Reden über das Judentum“, die er um 1911 in Prag gehalten hatte, als seine Schüler verbunden. Es sind dies der Philosoph Hugo Schmuel Bergman, der Publizist Robert Weltsch und der Historiker Hans Kohn. Alle drei setzten sich mit den Folgen des europäischen Nationalismus auseinander und unterstützten die politischen Ziele des Vereins Brit Schalom (Friedensbund). Dieser Verein strebte ab 1925 in Palästina einen binationalen Staat und einen friedlichen Ausgleich mit der arabischen Bevölkerung an. Die existenzielle Konfrontation mit dem Krieg führte bei ihnen zu recht unterschiedlichen persönlichen Entscheidungen mit Blick auf den Zionismus: Während sich Kohn vom jüdischen Nationalismus abwandte und 1933 in die USA auswanderte, flüchtete Weltsch 1938 nach Palästina, verließ es aber schon vor der Staatsgründung Israels. Nur Bergman blieb als Philosophieprofessor in Jerusalem und versuchte dort die Ideale von Bubers Konzept eines ethischen Nationalismus in der israelischen Gesellschaft wachzuhalten.

Christian Wiese ist Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie an der Goethe-Universität Frankfurt sowie akademischer Sprecher des vom Land Hessen finanzierten Forschungsschwerpunkts „Religiöse Positionierung: Modalitäten und Konstellationen in jüdischen, christlichen und islamischen Kontexten“. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der jüdischen Geistes- und Kulturgeschichte, der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen in der Moderne und der Antisemitismusforschung.

Veranstalter: Erlöserkirchengemeinde in Zusammenarbeit mit der GCJZ Hochtaunus